Zahnspange raus – und dann? Was jetzt wirklich wichtig ist
- SMILEPHILOSOPHIE
- vor 4 Tagen
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Der Tag, an dem die Zahnspange endlich abgenommen wird, ist für viele Patientinnen und Patienten ein langersehnter Moment. Das Ergebnis ist sichtbar, das Lächeln neu. Doch was viele unterschätzen: Die kieferorthopädische Behandlung endet nicht mit dem Entfernen der Spange. Wer jetzt nicht die richtigen Schritte einleitet, riskiert, dass sich die Zähne langsam wieder in ihre alte Position zurückbewegen.
Als Kieferorthopäde in Tübingen wissen wir: Die Phase nach der Behandlung ist mindestens genauso entscheidend wie die Behandlung selbst. In diesem Artikel erfahren Sie, worauf Sie jetzt achten müssen, welche Retainer-Optionen es gibt und wie Sie Ihren Behandlungserfolg dauerhaft sichern.
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze
Die Zähne bleiben auch nach dem Tragen der Zahnspange beweglich und können sich ohne Stabilisierung zurückverschieben.
Die Retentionsphase mit einem Retainer ist unverzichtbar für den langfristigen Behandlungserfolg.
Es gibt zwei Retainer-Typen: den festsitzenden lingualen Drahtretainer und die herausnehmbare transparente Schiene – beide mit spezifischen Vor- und Nachteilen.
Regelmäßige Pflege, professionelle Zahnreinigungen und Nachsorgekontrollen schützen das Ergebnis dauerhaft.
Bei Problemen wie einem losen Draht oder einer spürbaren Zahnverschiebung sollte umgehend die kieferorthopädische Praxis kontaktiert werden.
Die Kostenübernahme für den Retainer durch die Krankenkasse ist unterschiedlich geregelt und sollte vorab geklärt werden.
Warum ist die Zeit nach der Zahnspange genauso entscheidend wie die Behandlung selbst?
Nach dem Entfernen der Zahnspange sind die Zähne noch nicht dauerhaft fixiert. Das Parodont – das Gewebe, das die Zähne im Kiefer verankert – benötigt Zeit, um sich vollständig an die korrigierte Stellung anzupassen. In dieser Phase sind die Zähne beweglich und neigen dazu, sich in Richtung ihrer ursprünglichen Position zurückzubewegen. Dieses Phänomen bezeichnet man in der Kieferorthopädie als Rezidiv.
Um ein Rezidiv zu verhindern, schließt sich an jede kieferorthopädische Behandlung die sogenannte Retentionsphase an.
Retention (Fachbegriff) Die Retentionsphase ist der Zeitraum nach der aktiven kieferorthopädischen Behandlung, in dem das erzielte Ergebnis durch spezielle Halteapparaturen – sogenannte Retainer – stabilisiert wird. Ohne diese Phase können sich Zähne innerhalb weniger Monate messbar verschieben. Die Retention ist daher fester Bestandteil jeder erfolgreichen kieferorthopädischen Therapie.
Festsitzender oder herausnehmbarer Retainer – was passt besser zu mir?
Grundsätzlich stehen zwei Varianten zur Verfügung: der linguale Drahtretainer, der fest auf der Innenseite der Zähne geklebt wird, und die transparente herausnehmbare Retainerschiene. Beide erfüllen dieselbe Aufgabe, unterscheiden sich jedoch deutlich im Alltag.
Kriterium | Festsitzender Retainer | Herausnehmbarer Retainer |
Tragekomfort | Immer im Mund, kaum spürbar | Nur bei Bedarf getragen |
Zuverlässigkeit | Unabhängig von der Compliance | Erfordert konsequentes Tragen |
Pflege | Spezielle Zahnseide notwendig | Separat reinigen |
Sport & Schlafen | Keine Einschränkung | Kann nachts getragen werden |
Haltbarkeit | Mehrere Jahre, aber anfällig für Ablösung | Kann sich verformen, regelmäßiger Ersatz nötig |
Essen | Keine Einschränkung | Vor dem Essen herausnehmen |
Welche Option besser geeignet ist, hängt von individuellen Faktoren wie der Zahnstellung, dem Alter und der Alltagsroutine ab und wird gemeinsam mit der behandelnden Kieferorthopädin bzw. dem behandelnden Kieferorthopäden besprochen.
Wie pflege ich Zähne und Retainer langfristig richtig?
Mit einem festsitzenden Retainer verändert sich die tägliche Mundhygiene. Unter dem Draht sammeln sich leichter Plaque und Speisereste, was langfristig zu Entkalkungen und Verfärbungen führen kann. Professionelle Zahnreinigungen in regelmäßigen Abständen sind deshalb nach der kieferorthopädischen Behandlung besonders empfehlenswert.
Folgende Hilfsmittel unterstützen die tägliche Hygiene-Routine mit Retainer:
Interdentalzahnbürsten: reinigen effektiv unter dem Retainerdraht
Zahnseide mit Einführhilfe (Floss Threader): für den Bereich zwischen den Zähnen unter dem Draht
Elektrische Zahnbürste: sorgt für eine gründlichere Reinigung der Zahnoberflächen
Mundspülung: ergänzend zur mechanischen Reinigung
Beißen Sie nicht auf harte Gegenstände und kauen Sie auch nicht auf Bleistiften oder Ähnlichem, da dies den Draht lösen kann.
Was tun, wenn etwas nicht stimmt – Retainer kaputt, Zahn verschoben?
Probleme mit dem Retainer sollten nie aufgeschoben werden. Wer frühzeitig reagiert, verhindert aufwendigere Folgebehandlungen. Häufige Situationen und die empfohlenen Schritte im Überblick:
Problem | Mögliche Ursache | Empfohlener Schritt |
Loser oder abgelöster Draht | Mechanische Belastung, Klebstoffversagen | Sofort Praxis kontaktieren, nicht selbst befestigen |
Verformte oder schlecht sitzende Schiene | Wärmeeinwirkung, normaler Verschleiß | Neue Schiene anfertigen lassen |
Spürbare Zahnverschiebung | Retainer nicht regelmäßig getragen | Zeitnah Kontrolltermin vereinbaren |
Druckstellen oder Schmerzen | Retainersitz nicht korrekt | Anpassung durch Kieferorthopädin oder Kieferorthopäden |
In all diesen Fällen gilt: Je früher gehandelt wird, desto einfacher und kostengünstiger ist die Lösung.
FAQ
Mundhygiene.
Wie lange muss ich den Retainer nach der Zahnspange tragen?
Eine pauschale Antwort gibt es hier nicht. Viele Kieferorthopädinnen und -orthopäden empfehlen, den Retainer langfristig – teils dauerhaft – zu tragen, da Zähne ein Leben lang einer natürlichen Bewegungstendenz unterliegen. Die genaue Tragedauer wird individuell festgelegt.
Was passiert, wenn ich den Retainer vergesse oder zu selten trage?
Wird der herausnehmbare Retainer nicht konsequent getragen, können sich die Zähne binnen kurzer Zeit merklich verschieben. Im schlimmsten Fall sitzt die Schiene anschließend nicht mehr korrekt und muss ersetzt werden. Beim festsitzenden Retainer entfällt dieses Risiko, da er permanent im Mund verbleibt.
Kann ich mit Retainer alles essen?
Mit einem festsitzenden Retainer sind harte und zähe Lebensmittel problematisch, da sie den Draht lösen oder beschädigen können. Sehr harte Speisen – z. B. ganze Äpfel oder hartes Brot – sollten lieber in kleine Stücke geschnitten werden. Mit der herausnehmbaren Schiene wird diese vor jeder Mahlzeit herausgenommen.
Was tue ich, wenn mein Retainer kaputt geht oder verloren geht?
In beiden Fällen sollten Sie schnellstmöglich einen Termin in der kieferorthopädischen Praxis vereinbaren. Bis dahin sollten Sie die Schiene – sofern noch vorhanden – weiterhin so oft wie möglich tragen, um eine Verschiebung zu verzögern.
Wie erkenne ich, ob sich meine Zähne wieder verschoben haben?
Erste Anzeichen sind eine veränderte Bissposition, Druckstellen beim Tragen der Schiene oder sichtbare Lücken und Überlappungen der Zähne. Im Zweifel hilft ein Blick in den Spiegel sowie ein zeitnaher Kontrolltermin.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Retainer?
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Retainerkosten in der Regel nur unter bestimmten Voraussetzungen und im Rahmen von kieferorthopädischen Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr. Bei Erwachsenen ist eine Eigenleistung häufig erforderlich. Eine individuelle Beratung zur Kostenübernahme empfiehlt sich vorab.
Take-aways
Festsitzende Retainer bieten eine hohe Zuverlässigkeit, erfordern aber eine angepasste Mundhygiene.
Herausnehmbare Schienen sind flexibler, setzen aber konsequentes Tragen voraus.
Professionelle Zahnreinigungen nach der Behandlung schützen vor Verfärbungen und Entkalkungen.
Probleme mit dem Retainer gehören zeitnah in ärztliche Hände.
Die Tragedauer des Retainers sollte individuell mit der Kieferorthopädin bzw. dem Kieferorthopäden besprochen werden.
Fazit
Die Zahnspange ist weg. Das schöne Ergebnis bleibt aber nicht von allein erhalten. Indem Sie die Retentionsphase ernst nehmen, den richtigen Retainer wählen und auf eine konsequente Pflegeroutine achten, sichern Sie den Behandlungserfolg langfristig.
SMILEPHILOSOPHIE begleitet Patientinnen und Patienten nicht nur während der aktiven Behandlungsphase, sondern auch darüber hinaus. Wir beraten Sie gerne persönlich zu allen Fragen rund um Retention, Nachsorge und langfristige



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